10 März 2012 Kommentare deaktiviert

Denkmalschutz und Energieeffizienz: Passt das zusammen?

FachwerkhäuserHistorische Gebäude bestimmten zu einem großen Teil den Charakter einer Stadt, oft locken gerade diese Bauten Besucher in besonderem Maße an. In Deutschland stehen rund 3% aller Gebäude unter Denkmalschutz. Erhaltung und Instandsetzung bedeuten jedoch auch einen hohen Kostenaufwand, und hinzukommen meist hohe Energiekosten.

Denkmalgeschützte Gebäude sind anders

Eine Senkung der hohen Energiekosten kann nur durch eine energieeffiziente Sanierung erzielt werden. Und niedrigere laufende Betriebskosten steigern die Wirtschaftlichkeit und den Wert einer Immobilie. Bei einer Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden muss darauf geachtet werden, sowohl die Bausubstanz als auch den historischen und oft künstlerischen Wert zu erhalten. Hier sind die meisten bekannten Maßnahmen einer energieeffizienten Sanierung leider oft ungeeignet. Wer möchte schon die wunderschönen alten Fassaden unter dicken Dämmungen verschwinden sehen, die charmanten Sprossenfenster durch Kunststofffenster ersetzt haben oder Photovoltaikanlagen zwischen Giebeln und Türmchen auf dem Dach sehen? Hier würden genau jene Besonderheiten verloren gehen, die den speziellen Reiz eines historischen Gebäudes ausmachen. Es sind Unikate, und deshalb muss man sich Ihrer energieeffizienten Sanierung mit besonderer Sorgfalt und Liebe zum Detail widmen. Man kann für solche Gebäude keine universellen Patentrezepte aus der Schublade ziehen, sondern es muss für jedes Denkmal eine spezielle Lösung gefunden werden, die auch auf die individuellen Besonderheiten des Gebäudes abgestimmt sind. Hierbei müssen natürlich nicht nur die kulturellen Aspekte in Einklang mit den ökologischen Gesichtspunkten gebraucht werden – eine Sanierung muss auch ökonomisch sinnvoll sein.

Energieeffiziente Sanierung lohnt sich

Es ist ein manchmal ein schwieriger Spagat, der sich jedoch lohnt! Mittlerweile gibt es in vielen Städten und Gemeinden zahlreiche gelungene Beispielprojekte, die zeigen, dass häufig eine Energieeinsparung von über 50% möglich ist und das ohne übertriebene Maßnahmen an den historischen Gebäuden. Allerdings kann man für Baudenkmäler nicht die gleichen Maßstäbe in Punkto Energieeffizienz anlegen wie für Neubauten, denn manchmal ist solch ein anspruchsvolles Ziel nur schwer erreichbar. Hier kann man Unzulänglichkeiten in einem Bereich aber durch andere Maßnahmen in anderen Bereichen ausgleichen. Wenn die besonders erhaltenswerte und reich verzierte Frontseite des Gebäudes zum Beispiel nur schwer zu dämmen ist, kann man die Rückseite sowie das Dach und die Geschoss- und Kellerdecken besser dämmen um dies auszugleichen. Die Frontseite kann mit einer Innendämmung oder mit Wärmedämmputz gedämmt werden. Auch eine effiziente Lüftungsanlage kann eine Fassaden- und Dachdämmung ergänzen. Sind einfachverglaste historische Fenster vorhanden, so können diese von entsprechenden Fachbetrieben mit neuen Techniken nachgebaut werden.

Ein gelungenes Beispiel

Ein schönes Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und energieeffizienter Sanierung wurde in der Altstadt von Hannover realisiert. Ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus wurde mit einer Kombination aus Lehmmörtel und einer Innendämmung aus Mineraldämmplatten saniert um die energetische Bilanz zu verbessern. Speziell für die Sanierung von Fachwerkhäusern geeignet, verhindert dieses diffusionsoffene Dämmsystem die Entstehung von Schäden durch Feuchtigkeit (Tauwasser) – und ermöglichte es, dass dieses denkmalgeschützte Gebäude nun den aktuellen Anforderungen der EnEV für Neubauten entspricht! Somit wurde aus einem schützenswerten Baudenkmal mit Hilfe eines individuellen Konzeptes eine modernen und energieeffizienten Immobile – eine gelungene Kombination aus Denkmalschutz und Energieeffizienz.

Fotoquelle: philipus – Fotolia

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